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"Der Untertan" als Satire

 
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Malte
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MessagePosté le: Mar 5 Aoû - 19:14 (2008)    Sujet du message: "Der Untertan" als Satire Répondre en citant

„Der Untertan“ als Satire (zugleich eine Übersicht über Lektürehilfen)
1. Monika Hummelt-Wittke (Der Untertan. Interpretation von M. Hummelt-Wittke. Oldenbourg: München 1987) behandelt unter dem Stichwort „Erzählsituation“ u.a. den Aspekt „Satire als Strukturprinzip“ (S. 70 ff.): Nur wenige Figuren, etwa der alte Buck, Agnes Göppel, der Fabrikant Lauer blieben von der satirischen Verzeichnung verschont. Strukturierendes satirisches Handlungselement sei die fortschreitende Angleichung Heßlings an Wilhelm II.
   Als satirisch kalkulierte Sprachverwendung seien die in Heßlings Äußerungen hineinmontierten Zitate von Kaiserreden (S. 74 ff., mit Belegen) anzusehen, ebenso die Verwendung „sprechender Namen“ (Jadassohn: Judas = Verrat); Nothgroschen (Groschenjunge). Auch die sinnentstellende Verwendung einzelner Wörter („Moral“ im Mund Heßlings) und der offene Widerspruch in Äußerungen Diederichs je nach Situation machten den Roman zur Satire.
2. Bei den Klett Lektürehilfen ist zum „Untertan“ ein Buch von Wolf D. Hellberg erschienen (Stuttgart-Dresden 1995). Hellberg hat ein Kapitel „Satirische Elemente des Romans“ benannt (S. 108 ff.):
- „Der Untertan“ sei die Parodie des Entwicklungsromans, da Heßling ausgesprochen als Typus, nicht als Individuum erscheine;
- Wiederholungen und Parallelen (Liebesszene in Heßlings Fabrik; Verführung von Agnes bzw. Emmi mit Duellforderung) entlarvten die Doppelbödigkeit der Romanwelt;
- die satirische Funktion der Sprache ergebe sich in der Wortwahl:
a) Eigennamen: Napoleon; Schweinichenstraße; Jadassohn, Nothgroschen,
    Kühnchen, Heuteufel; Wucherstraße);
b) klischeehafte Adjektive (deutsch; höchste Ehre);
c) Wiederholung von Adjektiven;
d) fehlerhafte Aussprache von Fremdwörtern; Dialekt und vulgäre Sprache v.a.
    Kühnchens;
e) Wortspiele, Übertragung (Tod auf dem Feld der Ehre = durch Alkohol);
f) Doppeldeutigkeiten („Lumpen“), Oxymoron (nationale Biergläser)
g) Paradoxon: Ruhe des Arbeiters als „Aufruhr“, Erschießung als Heldentat;
h) Aufzählung: Märchenkröten, Vater, lieber Gott...
   Volkslieder, Beethoven, Kommersbuch-Lieder...
- Satzbau (?): satirische Entsprechung bzw. Diskrepanz: „Kampf bis aufs Messer“ -
  „Sie sind heiser.“
- Satz- und Gedankenfiguren: Vergleiche;
- Zitate (v.a. des Kaisers).
Hellberg nennt ferner die satirische Personendarstellung (Jadassohns Ohren; Fischer affenähnlich; Guste im Zusammenhang mit Wurst und Kohl). Satirische Episoden sei-en ein Strukurmerkmal des Romans: Heßling beim Militär; Vorführung des Familienlebens vor Kienast; Hochzeitsnacht. - Dem Prinzip satirischer Steigerung (nie gehört, N.T.) entspreche die Abfolge der Episoden, die die öffentliche Politik beschreiben:
- Zusammentreffen der Bürger nach der Ermordung des Arbeiters;
- Wahlversammlung der Partei des Kaisers;
- Heßlings Rede bei Enthüllung des Denkmals.
3. In der Reihe „Königs Erläuterungen und Materialien“ ist das eher bescheidene (!) Bändchen von Peter Painter erschienen (Hollfeld 1985). Painter nennt in seinem Kapitel „Satirische Prophetie“ (S. 78 ff.) die Begegnungen Diederichs mit dem Kaiser, seine Rede vor seinen Arbeitern, die Lohengrin-Aufführung und die Denkmalsweihe als Schlüsselsituationen  bzw. Kulminationspunkte der Satire und sieht im Buch den 1. und den 2. Weltkrieg prophezeit. - Es kommt nicht auf eine Steigerung von Fachbegriffen für eine satirische Darstellung an, sondern auf die Erkenntnis der Phänomene.
4. Beachte auch Wolfgang Emmerich: Heinrich Mann: „Der Untertan“. W. Fink: München 1980, S. 79 ff.
   Die Seitenzählung der Ausgabe Fischer-TB wird berücksichtigt in Lektüre . Durchblick: H. Mann, Der Untertan von Boris Prem. München 1997.
_________________
Jetzt wusste ich: die Dinge sind ganz und gar das, was sie scheinen - und hinter ihnen... ist nichts. (Jean-Paul Sartre)

Il y a deux façons de ne pas raconter sa vie: l'une est de se taire et l'autre c'est d'écrire.
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