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Diedrichs Annäherung an den Kaiser

 
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Malte
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MessagePosté le: Mar 5 Aoû - 19:12 (2008)    Sujet du message: Diedrichs Annäherung an den Kaiser Répondre en citant

Diederichs Annäherung an den Kaiser
Diederich Heßling entwickelt sich so, dass er sich immer stärker seinem Kaiser Wilhelm annähert: „Sie haben so viel Ähnlichkeit mit - mit -“ (S. 160; von ihm mystisch erlebt: S. 292; 354). Diederich erlebt seine innere Einheit mit dem Kaiser (S. 365, 370), in der er Kaiserworte nicht nur gebrauchen (S. 106; 444 u.ö.), sondern neu erfinden kann (159 f.; 246; 416). Es ist die Identität des Beherrschten mit dem Machthaber (S. 63 f.), die in Diederichs Unterwerfung unter den Vater, der einen Kaiserbart hatte (S. 10), grundgelegt ist. „Die unerhörtesten mystischen Beziehungen überwältigten ihn...“ (S.372), was in satirischer Überspitzung von Diederich so erlebt wird, dass der Kaiser „Diederichs Worte zu den seinen machte“ (S. 172), während in Wirklichkeit der Fabrikant die Kaiserworte und -gesten sich aneignet. Er sonnt sich als „Untertan“ im kaiserlichen Glanz (S. 364 ff.), sieht sich sogar „wie in einem Spiegel“ mit dem kaiserlichen Hermelin bekränzt (S. 172, ähnlich S. 158). Jedes des sechs Kapitel endet mit dem Thema: Diederichs Nähe zum Kaiser (das sechste negativ!).
   Diederich begegnet dem Kaiser zum ersten Mal während einer Demonstration (S. 59 ff.); er fährt als Repräsentant des Geistes der neuen Zeit mit dem gleichen Bart wie der Kaiser nach Netzig (S. 100 f.; vgl. 143); er veranlasst ein Telegramm an den Kaiser und erfindet einen kaiserlichen Befehl (S. 154 ff.), den der Kaiser später tat-sächlich gibt (S. 172); er hat im Prozeß gegen den Majestätsbeleidiger Lauer gesiegt; er vollzieht seine Ehe im Gedenken des Kaisers zu einem höheren Zweck und erstrahlt im „höheren Glanz” (S. 361; entsprechend ändert er die Hochzeitsreise, um in Rom dem Kaiser zu begegnen, S. 363 ff.); er darf bei der Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, dessen Bau (statt des Säuglingsheims, S. 293) er vorangetrieben hat, die Rede halten (S. 465 ff.). Der Kampf um dieses Denkmal, das eine Heiligsprechung Wilhelms „des Großen” (S. 468; vgl. 157) bedeutet, ist das Motiv des Romans, welches beispielhaft den Aufstieg Diederichs im Gefolge des Kaisers, die Niederlage der Freisinnigen sowie der Familie Buck (S. 281: „Herunter mit ihm...“) und die im Schatten des kaiserlichen Glanzes vollzogenen Schiebungen und Geschäfte aufzeigt (S. 327-335; 357; 378, 383; 385).
   Die Verbundenheit beider „Schauspieler“ wird von Wolfgang Buck analysiert (S. 205 f.; 237 ff.; 313 ff.; vgl. S. 81, S. 62): Der Geist der neuen Zeit ist theatralisch. Der Kaiser, über den Diederich zunächst keine Meinung hat (S. 18), den er mit der passenden Ideologie in seiner Verbindung Neuteutonia zu schätzen lernt (S. 57 f.; 58 f.) und den er von da an immer mutiger verteidigt (S. 75; 80 f.; 120; 126 usw.), wird ihm wichtiger als die liebende Frau (Agnes, S. 65; Guste S. 364, 379, 442).
   Mit dem Kaiserkult „in dieser harten Zeit” rechtfertigt Diederich seine berechnende „Moral” (S. 100, 151, 378), wird rassische Überlegenheit (380) und der eigene Macht-anspruch begründet (S. 106 f.; vgl. 146; 284 f.; 442 f., was 446 ironisch umgekehrt wird), der Kampf gegen die Familie Buck geführt (237, 281, 336, 427 f.). - Die letzte Stelle zeigt die Bedeutung des Blitzens, das er dem Kaiser abgeguckt hat (S. 63): Zunächst versucht Diederich es nur (S. 62, 75, 106, 145), dann gelingt es ihm (S. 126, 151 u.ö.). Doch das Niederblitzen der Gegner ist ebenso Theater wie des Kaisers Menschlichkeit und der Dackel Freiheit (S. 444 f.). 
_________________
Jetzt wusste ich: die Dinge sind ganz und gar das, was sie scheinen - und hinter ihnen... ist nichts. (Jean-Paul Sartre)

Il y a deux façons de ne pas raconter sa vie: l'une est de se taire et l'autre c'est d'écrire.
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